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die kultur der deutschen webdiskussion

"Im zweiten Teil (oben) geht es um die Kultur der deutschen Webdiskussion (und warum man dazu ein Freak sein muss), die Rolle der Popmusik, warum Marmor, Stein und Eisen bricht, intellektuelle-Zwischenkulturen in Amerika, informelles Videodesign - und abgeschmeckt mit vielen bunten Bildern." Soweit mein youtube-Kommentar, wahrscheinlich früh am Morgen nach einer langen Produktionsnacht schnell gehackt, was Thomas Breustedt zum Anlass nahm, tiefer zu bohren:

thorsten breustedt "Auf der Suche nach Knotenpunkten"

Die deutschsprachige Blogosphäre ist ein Dorf, der Webdiskurs, der in ihr stattfindet, ist lausig, und überhaupt sind uns in dieser Hinsicht gerade die Angelsachsen weit voraus. Das findet nicht nur Martin Lindner, doch die “Sphinx von der Isar” hat das Offensichtliche einfach mal deutlich ausgesprochen.

Und Namen genannt, was die Sache natürlich interessant macht: Es sei erstaunlich, dass in Deutschland allein Sascha Lobo und Mario Sixtus in ihrer Rolle anerkannt seien, dem Mainstream das Internet zu erklären. Bemerkenswert sei auch, dass Peter Kruse, der sich mit seinem bejubelten re:publica-Vortrag sowie einemgemeinsam mit Sixtus und Lobo absolvierten TV-Auftritt ebenfalls in einer solchen Rolle wiederfinde, genauso wie die beiden erstgenannten optisch ziemlich schräg daherkomme.

“Hierzulande muss man sich als Freak verkleiden, um Stimme des Web sein zu können“, sagt Lindner deshalb – und angesichts der Bedeutung, die die digitale Revolution unbestritten besitzt, sei das kaum zu glauben.

Doch nicht nur dem Mainstream gegenüber, auch innerhalb der Netzgemeinde sieht Lindner hinsichtlich der Debattenkultur und der inhaltlichen Tiefe Defizite. Allerdings gebe es durchaus viel versprechende Ansätze: Via Twitter (@ martinlindner) nannte er aus einem “idiosynkratischen Gefühl” heraus einige Namen, die in seinen Augen für einen neuen Zugang zu Netzthemen in deutscher Sprache stehen: Christian Heller (@ plomlompom), Felix Neumann (@ fxneumann), Michael Seemann (@ mspro) und Markus Spath (@ hackr).

Interessant dabei ist, dass Lindners Namensreihe offenbar eher durch sprachliche als durch inhaltliche Eigenheiten zustande gekommen ist, wie im folgenden, höchst unterhaltsamen Videointerview mit Lutz Berger gut nachzuvollziehen ist. Tenor: Eine deutsche Websprache mit ganz eigenem Zungenschlag sei bislang nur in Ansätzen zu erkennen. (Interessante Analogie: In dieser Hinsicht gehe es ihr heute so ähnlich wie ehedem den deutschen Popmusiktexten auf ihrem langen Weg von Drafi Deutscher zu Tocotronic.)
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