der digitale klimawandel

Martin Lindner über den „Digitalen Klimawandel“: Das Internet wird unterschätzt, bei weitem. Wir reden zu wenig darüber. Wir denken viel zu wenig ernsthaft darüber nach. Darum verstehen wir die Welt nicht mehr. (Im deutschsprachigen Raum übrigens noch weniger als anderswo.) Digitale Information ist wie der Klimawandel: Nichts ist wirklich greifbar, nichts kann man anfassen, es ist nur ein kaum merkliches Ansteigen der Durchschnittstemperatur, und trotzdem hat es schwerwiegende Folgen für die Welt in der wir leben.

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„Information“ hat ihren Aggregatzustand geändert: Sie ist wolkiger und flüchtiger geworden, und sie zirkuliert sehr viel schneller. Sie funktioniert viel mehr als ständige schnelle Kettenreaktion, nicht mehr als etwas Gespeichertes, auf das man in Ruhe zurückgreifen kann. Das verändert das gesellschaftliche Ökosystem, und zwar auch für die, die glauben, dass sie nicht betroffen sind.

Der Golfstrom fließt plötzlich anderswo. Und plötzlich müssen alle ihre gewohnte Lebensweise und Denkweise verändern. Gletscher schmelzen mit verblüffender Geschwindigkeit: die Banken, Siemens, die CSU, die SPD sowieso, BMW, die Universitäten, die Schulen … Faustregel: Je größer die Gebäude sind, in denen eine Organisation residiert, desto größer sind ihre Probleme.

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Gletscher schmelzen

Und deshalb schmelzen die Gletscher (Parteien, Universitäten, Großunternehmen). Deshalb breiten sich Wüsten aus (v.a. da, wo man noch Wirtschaft betreibt, die auf der Knappheit von Information beruht). Und deshalb werden Lebewesen aus ihrer gewohnten Umwelt vertrieben. So wie ich. (Aber auch Sie wird es erwischen, garantiert.)

Information und Wissen organisieren sich nun anders: In Wolken, in Feldern aus lose verkoppelten Teilchen, in die wir eintauchen. Und in lose verketteten ‘Flows’, in denen dynamische Information ständig auf uns ein und durch uns hindurch strömt.

Wissen, das nicht ständig im Spiel gehalten wird, bereits vergessen

In einem solchen ökologischen System ist jedes Wissen, das nicht ständig im Spiel gehalten wird, bereits vergessen. Und Wissen, das niemand hat, ist ja gar keines. Wir müssen also unsere Art zu denken und zu arbeiten daran anpassen - oder wir scheitern."




Neues aus Freising
Unter diesem Namen gibt es seit diesem Sommer virtuelle Kamin- und Skypegespräche mit Martin Lindner zu sehen, die sich aus der Reboot-D entwickelten. Klar, daß sie sich zu meinen Favs entwickelt haben: