Selber filmen, Teil II


15. März 2012 | von
Lutz Berger
Wenn Ihre Filmaufnahmen „im Kasten“ sind, müssen sie auf den Rechner. Wir widmen uns im dritten Teil der Serie folgenden Fragen: Was muss der Rechner können? Wie schnell muss er sein? Welches Schnittprogramm brauche ich? Und wie kommen die fertigen Videos auf meine Webseite oder meinen Blog?

Need for Speed
Videobearbeitung stellt hohe Anforderungen an den Cutter – und an den Rechner. Auf welcher Plattform Sie auch schneiden – Sie brauchen einen schnellen Prozessor und soviel RAM wie möglich (siehe Teil I der Serie). Wenn Sie Tutorials und Schulungsvideos produzieren, werden Sie zusätzlich mit Texten und Bildern arbeiten wollen. Auch wenn sich leistungsfähige Laptops immer besser zum Editieren eignen und Mobilität viele Vorteile mit sich bringt, ist der Schnitt an nur einem Bildschirm, und meist dazu auch noch an einem kleinen, auf Dauer eine Qual für Ihre Augen. Sie werden erfahrungsgemäß viele Stunden am Schnittplatz zubringen, manchmal auch mehrere Tage.

Schnittprogramme für Fortgeschrittene
Nicht nur deshalb war die Postproduktion war bis vor kurzem ein eigenes Berufsbild: Es gehört viel Erfahrung dazu, einen Clip zu schneiden. Darüber hinaus sind ein sicheres Gespür für den Rhythmus in und mit Bildern und ein Gefühl für die Perspektive des Zuschauers nötig. Es gilt, sich zu überlegen, was dieser wissen und wieviel Zeit er mit dem Schauen eines Videos verbringen will – und schließlich, wie man ihn fesseln kann.
Wegen dieser doch recht komplexen Anforderungen ist es besonders wichtig, dass das Handwerkszeug auf Sie zugeschnitten ist. Neben den einfachen (siehe
Teil I) gibt es die komplexeren Schnittprogramme, die über mehr Möglichkeiten der Bild- und Tonbearbeitung verfügen, beispielsweise Farbkorrekturen, Echtzeitvorschau, Bildstabilisator, hollywoodreife Titel, diverse Effekte, umfangreiche Exportmöglichkeiten, einen Anschluss für einen zweiten Monitor – um nur einige Aspekte zu nennen.
Der Marktführer unter den PC-Programmen für Fortgeschrittene ist Premiere (inzwischen plattformübergreifend erhältlich) – auf dem Mac sind es Final Cut Express, Final Cut Pro, oder das neue Final Cut X. Trotz heftiger Diskussionen und einigen Fehlern in der Software ist letzteres eine zukunftssichere Investition und darüber hinaus stimmig, was das Preis-Leistungsverhältnis betrifft. Es unterscheidet sich im Handling grundlegend von den klassischen Programmen, ist aber äußerst flexibel und vielversprechend aufgestellt.
Die Klassiker bieten jede Menge PlugIns und Erweiterungen durch Dritthersteller: ein wichtiger (aber auch kostenintensiver) Aspekt. Darum sollte man vor der Anschaffung intensiv recherchieren und Nutzerberichte lesen, zum Beispiel auf Slashcam und den einschlägigen Foren. Programm-Rezensionen und Tips für den Umgang mit den diversen Softwareangeboten,
hier ein Beispiel, finden Sie auf Youtube und den anderen Videoportalen.

Die kostenlose Online-Filmhochschule
Diese kurzen, oft sehr gut moderierten Video-Tutorials basieren auf Screen Video Recordings und sind im Alltag ausgesprochen nützlich: Sie sehen, wie Ihre Software von Experten bedient wirdund können sich davon inspirieren lassen. Schon dieser Service spricht für den Kauf eines der populäreren Programme.

Problem Exportweltmeister
Ist das Video fertig geschnitten und gemixt, stellt sich die Frage nach dem Exportformat. Schnittprogramme bieten dazu eine Fülle unterschiedlicher Codecs an (siehe links). Hier in die Tiefe zu gehen, würde den Rahmen sprengen. Einen Überblick über die gebräuchlichsten Formate finden Sie im entsprechendenWikipediaartikel. Denn die Wahl des Exportformats hängt nicht zuletzt von dem Einsatzzweck ab, wie die folgenden Abschnitte zeigen.

Fragen über Fragen
Soll Ihr Film auf DVD gebrannt oder ins Netz gestellt werden? Bereiten Sie ihn speziell für Beamer, Smartphones oder Tablets auf? Soll er nur über den Browser zu erreichen, oder auch mobil zugänglich sein?
Sie müssen sich auch überlegn, ob Ihr Film später frei im Netz stehen oder nur für ausgewählte Zuschauer sichtbar sein soll. Wird es ein kostenfreies oder -pflichtiges Angebot? Und: Wollen Sie ihn geschützt veröffentlichen oder mit einer Creative Commons-Lizenz versehen?

Copyrights
Des weiteren sollten Sie klären, ob es Schutzrechte zu beachten gibt. Insbesondere bei kommerziellen Produktionen müssen in jedem Fall alle Rechte schriftlich eingeholt werden, auch die der Darsteller. Falls einer der Protagonisten seine Einwilligung widerruft , haben Sie unter Umständen ein großes Problem. In einem solchen Fall hilft diese App weiter: Sie sorgt für Rechtssicherheit und hilft dabei, aufwendigen Papierkram zu vermeiden.

Hosting
Wenn all diese Fragen geklärt sind, ist der Film bereit für das Netz. Dazu benötigen Sie einen Server, der Ihre Clips in verschiedenen Größen und Formaten bereitstellt. Sie können Ihre Videos selbst hosten, einen entsprechenden Anbieter beauftragen, oder die freien Plattformen wie Youtube, Vimeo usw. nutzen. Letztere geben meist Zeit- oder Volumengrenzen vor, bieten aber zunehmend auch kommerzielle Varianten zu günstigen Kosten an.
Youtube erweist sich auch hier als gute Adresse. Denn es ist längst eine Suchplattform wie Google und der einzige Videoservice, dessen Code alle Blogs und Templates akzeptieren. Leider ist die Dauer Ihrer Clips auf 15 Minuten beschränkt. Die populärste Alternative ist Vimeo, eine Plattform, die sich zunehmend als Standard etabliert und Kreative, Künstler und Filmemacher anzieht. Empfehlenswert für ambitionierte Filmer ist die professionelle Variante
Vimeo Pro, die für jährlich 199 Dollar eine Menge zusätzlicher Features bietet. Beide Plattformen offerieren die bereits angesprochenen Schulungen für Neulinge, vom richtigen Licht bis zur optimale Kameraführung.
Darüber hinaus bietet sich 
Blip.tv für Web-Shows an, Screencast spielt Ihre Videos in der Originalqualität ab und ermöglicht auch private Zugänge (was für Unternehmen wichtig werden kann). Servicestark sind auch ustream (mit eigener App für Aufnahmen und Livestreams mit dem iPhone), Pixorial und schließlich der deutsche Anbieter sevenload.

Worauf muss ich achten?
Mögliche Auswahlkriterien sind Längen- und Speicherbeschränkungen (pro Video), Flexibilität beim Zugriff (öffentlich und/oder privat), mehrere Qualitätsstufen bei der Wiedergabe, aber auch die Zuverlässigkeit der Server im Alltag: Kommt es zu bestimmten Uhrzeiten zu Zeitverzögerungen und ruckelnder Wiedergabe? Darüber hinaus lohnt es sich zu klären, ob es Codes und Widgets für die smarte Einbindung in Blogs und Webseiten gibt, und ob sich die Videos nur im Flashplayer oder auch Html5-basiert für den Zugriff über das Smartphone und das Tablet anschauen lassen. Gerade dieser letzte Aspekt wird wegen der zunehmenden Verbreitung dieser Geräte immer wichtiger.  Weitere klärungsbedürftige Frage sind die nach plattformübergreifenen Zugängen, Apps für Android und Apple, Livestream-Möglichkeiten und schleißlich Archivierungs- und Backupmöglichkeiten. Sie sehen schon: Das Angebot ist riesig, aber Sie werden rasch lernen, wer für Ihre Bedürfnise der beste Hoster ist.
Und dann? – Film ab!


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